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mann und frau

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Wie sagt man richtig?

Weil es gerade bei mir zuhause rumlag (der Mann hat's vergessen) habe ich die letzten zwei Tage damit verbracht, einen "Männerroman" zu lesen, der angeblich monatelang auf der Spiegel Bestsellerliste ganz oben klebte. Was ich von dieser Liste halten muss, hatte ich vorher zwar geahnt, jetzt für mich verifiziert. Eine gute Referenz scheint sie jedenfalls genauso wenig wie die Aussage, dieser oder jener Film habe einen Oskar abgeräumt.

Zurück zum Buch. Bis Seite 12 habe ich mich bereits 4mal aufregen müssen, das ging dann so weiter. Jetzt mag man sich zu recht fragen, warum ich das Buch nicht einfach in die Ecke gepfeffert habe, aus der ich es gezogen habe. Das hat wohl was mit meinem Wesen zu tun, befürchte ich. Manchmal "geb ich's mir einfach", obwohl ich genau weiß, wie das enden wird. Zum Beispiel trinke ich, als ob ich es nicht schon längst besser wüsste, alle paar Monate ein Bier zuviel, sodass ich den ganzen nächsten Tag unter akutem Zinkmangel leide und in die Kloschüssel spreche. Außerdem echauffiere ich mich gerne und zwar am liebsten über die Sachen, die alle Anderen gut finden, was bei mir sowieso einen regelrechten Boykottzwang hervorruft. Beethovens "Für Elise" habe ich dereinst nie gelernt, weil sich ALLE Klavierschüler in meiner Klasse an diesem Stück vergingen. (Heute wäre ich allerdings froh, wenn ich wenigstens das fehlerfrei und auswendig daherspielen könnte).

Ich hab es also fertig gelesen, nur um mich darüber aufregen zu können. So bin ich halt. Aber warum erwähne ich das überhaupt, wo das Buch an sich so wenig erwähnenswert scheint wie ein achtlos in die Landschaft geschnippter Popel? In dieser hanebüchenen Geschichte nämlich nennt eine Frau ihren Freund immer "Mausbär". Das ist arg und soll mit all den anderen Partnerkosenamen, deren Ursprung eindeutig im Tierreich anzusiedeln ist, auf die Liste mit den 1000 verachtenswertesten Dingen gesetzt werden, die es im Leben gibt. An dieser Liste arbeite ich noch. Sie wird bis kurz vor meinem Tode geführt werden, denn sicherlich gibt es für mich noch bis zum letzten Atemzug irgendwas, über das ich mich aufregen kann. Der Schnitter braucht ja z.B. nur ein hässliches Hemd zu tragen. Aber zurück zum "Mausbär". Der hat mich nämlich drauf gebracht, dass ich tatsächlich nicht weiß, wie ich den Mann (also meinen mein ich jetzt) in zärtlicher Stimmung korrekt anreden soll. Sicher, er wäre behaart genug, um als Bär(chen) durchzugehen, aber weder bin ich Sodomistin noch von allen guten Geistern verlassen. Der Echtname funktioniert leider gar nicht, erst recht nicht in kosender Kohärenz. Dabei handelt es sich um einen der absolut häufigsten und solidesten aller deutschen männlichen Vornamen! Aber leider reimt er sich auf "würgen" und das geht da einfach nicht. Dieser Name ist nur in sachlichen Zusammenhängen korrekt verwendbar.

Umgekehrt scheint es sich übrigens ähnlich zu verhalten, denn meinen Echtnamen höre ich auch so gut wie nie aus seinem Mund. Dafür scheine ich zur "Frau" mutiert. Ich bin "die Frau" in allen Lebenslagen. "Frau du, wie siehts aus heut abend?" lese ich in der mail. "Frauuu, bist du gleich zuhauuuse?" schallt es mir aus dem Telefonhörer entgegen und "bist meine Frau" statt "Ich liebe dich" oder einfach nur "FRAUFRAUFRAU", als Ausdruck für etwas Unaussprechliches, Unerhörtes, Unabwendbares, je nachdem. Nicht, dass ich das ungern höre, aber letzthin legte sich mein Sohn mit einem angeklebten und selbstgemalten Kinnbärtchen neben mich ins Bett und meinte mit tiefergelegter Stimme: "NA, FRAU?"

Bisher empfand ich die Anrede als schön und vertraut. Aber seit der Einlage meines Sohnes bin ich ein bisschen unsicher geworden. Wie mag das wohl bei Außenstehenden so rüberkommen? Wird sich der Gebrauch von "Frau" als Anrede in jeder Lebenslage auf Dauer negativ auf die Beziehung auswirken? Wird sich das überhaupt auswirken? Oder denkt die Frau bloß wieder zuviel nach? Herrje?

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