Wie magst du wohl aussehen, wie nennt dich der Ornithologe, dich, der du jeden Morgen um 6°° Uhr vor meinem Schlafzimmerfenster gar jämmerlich ziepst? Denn nichts anderes ist es, ein klägliches, langgezogenes "zieps", was da aus deinem Vogelkehlchen an mein Ohr dringt, in reglemäßigen Abständen, so, als säße da jemand auf einer schlecht geölten Schaukel und schwänge vor - zurück - vor - zurück - vor - zurück - immer in derselben Geschwindgkeit.
Schön ist das fei nicht.
Frau Rossi - 2. Jul, 17:49
Während ich in der Empfangshalle des ausnehmend hässlichen Poliklinikums auf den Chef warte, ziehe ich mir aus dem Eisautomaten ein Macao Mandel. Die Narren, die für die Befüllung des Eisautomaten zuständig sind, haben die Macao-Serie ganz oben platziert. Das heißt nichts anderes, als dass das Eis, nachdem es einen kleinen, mechanischen Schubs bekommen hat, ungebremst ca. 1 Meter in die Tiefe stürzt. Das Ende vom Lied ist eine komplett gesplitterte Schokoglasur, deren Einzelteile mir gleich nach dem Öffnen der Verpackung entgegen fallen. Die verbliebenen, am Eis notdürftig anhaftenden Restschollen fallen mir während des Essens in den Schoß, sodass ich in regelrechten Eisessstress gerate. Was für ein Wort, was für eine Wirkung (das Eis liegt mir jetzt noch im Magen). Darauf einen Dujardin!
Frau Rossi - 28. Jun, 14:42
In der Früh erfahren, dass ich mal wieder den Chauffeur für den Chef machen darf. Chef => Netzhautablösung => schlimme OP => Chef nix sehen => Rossi fährt Chef im Firmenauto durch die Gegend. Ungern. Weil.
Den Chef zuhause abholen, der hat nämlich seit kurzem zusätzlich zur Augenmalaise eine Bronchitis und stirbt seit einer Woche daheim vor sich hin. Chef will erstmal Augentropfen, kriegt er, denn er kann das ja nicht alleine (Bitte sich den Chef als bald 50-jähriges Kleinkind vorstellen, das 120 kg wiegt und 190 cm groß ist). Während ich tropfe, schweift mein Blick durch die völlig vernachlässigte Küche. Im Eck auf einer Zeitung darbt ein vor ca. 3 Tagen angebissenes und dann vergessenes Wurstbrötchen. Unter Anderem.
So. Los geht's. Erst zum Lieblingsbäcker, denn Chef braucht DRINGEND Frühstück. Ok. Weiter. Meine Ansage von vorhin, dass ICH fahre und er daneben sitzt, hat er schon wieder vergessen und empfiehlt mir, wie ich am besten zu fahren habe. Regt sich auf, als säße er selbst am Steuer. Ich so: "Georg, hast du vergessen? ICH fahre, du schweigst, denn wir wollen es doch nett haben, oder?" Er: "Ja Jaaaa Ja." Schweigt.
So geht das dann lang. Erst nach Würzburg, dann in irgendein Kaff weit hinter Würzburg. Seine mannigfaltigen "Fahrtipps" will ich hier gar nicht erläutern, irgendwann hör ich einfach nicht mehr hin. In Greussendorf beim Kunden macht sich der Magen des Chefs bemerkbar. Wir gehen jetzt ein "Süppchen" essen. Ich so: "Schweinshaxnsuppe?" Er: "Ha Haaaa Ha."
(Einschub: Chef soll laut Arzt dringend 25 kg abnehmen wegen Bluthochruck und wegen überhaupt. Chef meint, das damit bewerkstelligen zu können, indem er beim Bäcker in der Früh die Laugenbrezn ohne Butter bestellt, statt wie sonst mit)
In der Kneipe bestelle ich ein Radler, er ein Mineralwasser. Ich so zu mir: ?
Das "Süppchen" lässt er weg, dafür bestellt er sich ein Eisbein (gekockte Schweinshaxe). Als die Flasche Wasser kommt, lässt er sie promt zurück gehen und bestellt ein Bier, weil: "Das Wasser passt nun wirklich nicht so gut zum Eisbein!"
Ich so zu mir: !
Die Heimfahrt verläuft ruhig, denn Chef schläft neben mir ein. Bald fängt er an zu schnarchen, denk ich. Also fängt er an. Aber er schnarcht nicht nur, nein, er hat Apnoe, d. h. für eine Ewigkeit setzt der Atem aus und dann schnappt er so nach Luft, dass er selbst davon aufwacht. EIN GRAUS. 1 Stunde geht das so ("sind wir schon Richtung Bamberg?")
Gegen 15°° Uhr sind wir wieder am Geschäft, nicht ohne vorher seine Hemden in die Wäscherei gebracht zu haben, wozu wir in ein Parkhaus müssen. Ich fahre ein, er so: "Jetzt z. B. empfiehlt es sich, das Licht anzumachen!" Ich so: "Hrzlgrumpf!"
Zurück im Geschäft suche ich schleunigst das Weite. Morgen ist auch noch ein Tag und da muss ich ihn in die Augenklinik nach Erlangen fahren. ARGGGGHHH!
Jetzt hoffe ich nur, dass der Mann bald kommt und wir ein Bier trinken gehen können. Aus Gründen.
Frau Rossi - 27. Jun, 17:57
Ich mag wohl 3 Jahre alt sein, vielleicht 4. Ich bin Nachts aufgewacht und liege in meinem roten Eisenbett mit den geschwungenen Stäben und den geschnörkelten Engelsköpfen an den Seitenteilen und habe Angst. Unter dem Bett wohnt das Männlein Mittentzwei, ein böser Zauberer, der den Kindern das Spielzeug aus den Händen unter die Füße bläst und der seinen Garten mit den Tränen gießt, die sie dann weinen, weil sie es zertreten haben. Mit wachen Augen versuche ich die Dunkelheit zu durchdringen. Alle Gegenstände, die in meinem Zimmer stehen, sehen plötzlich anders aus, haben die Farbe verloren und bestehen nur noch aus Schwarz. Hinter dem Kopfteil des Bettes das Fenster, durch die zugezogenen Vorhänge nur ein schwacher Schein der Straßenlaterne vor dem Haus. Ich zucke zusammen, denn der Weichholzschrank gibt unvermutet ein trockenes, lautes Knacksen in die Dunkelheit ab, das Holz "arbeitet", wie mir meine Mutter unlängst erklärt hat. Ich glaube nicht, dass das Holz arbeiten kann. Ich glaube an das Männlein Mittentzwei und an den Mann mit dem riesigen Feuermal im Gesicht, der bei uns in der Nachbarschaft wohnt, niemals lacht und alle Kinder mit seinem Aussehen erschrickt.
Mein Zeigefinger streicht die Eisenstäbe entlang, geht in die Biegung, verfolgt die Linie bis in den Schnörkel hinein, kommt am Ende an und streicht den gleichen Weg wieder zurück, immer wieder. Oft bin ich darüber müde geworden und eingeschlafen. Heute ist die Angst zu groß, wahrscheinlich ist ein schlimmer Traum im Spiel. Längst schon habe ich zu Weinen angefangen und zwischen das Schluchzen ein paar leise Mamarufe gepackt. Es kommt niemand. Mittlerweile bin ich mir auch sicher, durch das Weinen das Männlein unter meinem Bett geweckt zu haben und meine Angst wird immer größer, ich steigere mich in eine Art Hysterie hinein. Die fragenden Mamarufe haben sich längst in fordernde Schreie verwandelt. Vielleicht habe ich nur zu leise geschrien? Vielleicht kann ich doch noch lauter? Ich schreie aus vollstem Hals nach meiner Mutter, ich werde schreien, bis ich heiser bin und vor Angst ins Bett gepinkelt habe. Mein Gesicht ins nasse Kissen gedrückt und nass zwischen den Beinen werde ich mich irgendwann in den Schlaf geweint haben.
Meine Eltern schliefen, wenn sie nicht gerade ausgegangen waren und mich alleine zu Hause gelassen hatten, zwei Stockwerke über mir in einer Dachkammer am anderen Ende des Hauses, unerreichbar für jeden Ruf.
Frau Rossi - 25. Jun, 20:27
Wo gibt es die Liste, auf der ich diesbezüglich unterschreiben kann? Muss ich garselbst eine Initiative ins Leben rufen? Diese Dummschnepfe vereint in ihrer Person alles, einfach alles, was ein Mensch nicht braucht. Ab mit ihr in den Orkus, egal, sperrt sie weg, gebt sie nach Rumänien in ein Heim und lasst sie dort die Klos mit der Zahnbürste schrubben, tut was, nur damit sie aus dem Focus der Fotografen entschwindet und ich nicht mehr mit ihrem dreisten Lachen konfrontiert werde, wenn ich mal auf meinen Mailserver gehen muss, um Post zu holen. Da wäre Zensur mal wirklich angebracht und dringend nötig, aber nichts passiert. Nichts. NICHTS! Paris, ich wünsch dir Dünnschiss und kein Klo in der Nähe, das ist nicht nett, ich weiß, aber du lässt mir keine andere Wahl.
Frau Rossi - 22. Jun, 09:29
Bin nun in drei verschiedenen Gruppen, die "against censorship" auf flickr sind. Erinnert ein wenig an das unsägliche Leben des Brian, die Szene, in der sich unter dem Palast zwei Terrorgruppen begegnen, die eigentlich das Gleiche wollen, sich aber dann in kleinlichen Dialogen gegenseitig bekämpfen. Reflexhaft bin ich aber allen drei Gruppen beigetreten und treib damit die Aufsplitterung voran. Das Beste: ich selbst, bzw. mein uralter Browser ist mein Zensor, denn momentan kann ich mal wieder kein einziges Bild hoch laden, alles, was unterhalb eines Fotos steht, lässt sich nicht mehr anklicken. Wenn hier jemand einen Browser kennt, der auf OS 9.0.4 läuft...danke!
Frau Rossi - 16. Jun, 07:13
Nichts geht über das Vertraut sein/ vertrautsein/ Vertrautsein/ vertraut Sein. Egal, wie man das jetzt schreibt - ich hab wohl viel zu lange gebraucht, um das zu kapieren.
Frau Rossi - 16. Jun, 01:05
Im Nachbarhaus, dessen Mauern direkt an mein Schlafzimmer grenzen, spielt jemand, wie so oft um genau diese Zeit, schön und zart Klavier. Das nenne ich ein großes kleines Glück! Außerdem verfügt Der/Diejenige über ein beträchtliches Repertoire. Neidisch lausche ich und denke an meinen Stutzerflügel, den ich aufgrund Platzmangels nun schon seit über 5 Jahren als Dauerleihgabe an einen guten Bekannten abgegeben habe. Irgendwann wird der mal automatisch sein Eigentum werden, wenn ich nicht insistiere. Ich kenne entsprechende Fristen nicht, aber es könnte nach 10 Jahren sein. Aber hier kann ich ihn nicht stellen, ausgeschlossen, denn die Zimmer sind einfach zu klein. Setze ich mich zuweilen an Mutters Klavier (ewig verstimmt), merke ich, wie die Geläufigkeit meiner Finger abgenommen hat. Ein bisschen Schubert, Moments Musicaux, Impromtus, die A-Dur Sonate von Mozart, Stücke anspielen, verwerfen, umblättern und fluchen. So siehts aus. Hätte man doch Beizeiten mehr Ehrgeiz aufgebracht, ein wenig mehr nur geübt - "HÄTT' HÄTT'...", pflegte mein verstorbener Freund dann immer zu rufen, "...wenn der Hund net g'schissn hätt, hätt' er den Has'n gekriegt!" So sieht's aus.
Am Montag ist Urnenbeisetzung.
Frau Rossi - 15. Jun, 20:12
Die SchülerInnen der Altenpflegeschule von gegenüber sind mit dem Absingen deutschen Liedgutes beschäftigt. Bisher bekam ich zu hören: "Freude schöner Götterfunken", "Sah ein Knab' ein Röslein stehn", "Im Frühtau zu Berge", "Lauf, Jäger, lauf". Wie damals in der Schule sind immer ein oder zwei dabei, die mindestens einen Ton zu tief singen und im Takt hinterherklappern. Die Vorstellung, einmal in einem Heim zu sitzen, womöglich noch an einen Rollstuhl gefesselt, und den unambitionierten Gesängen überarbeiteter Pflegekräfte ausgeliefert zu sein, lässt mich jetzt schon blitzartig altern.
Frau Rossi - 14. Jun, 08:55